Interview mit Joe Dever, Spielbuchautor und Erfinder der Erfolgsserie "Einsamer Wolf". Geführt wurde das Interview im Jahr 2008 mit Joe Dever und Nicolai Bonczyk (Mantikore-Verlag) sowie Oliver Traxel.Mantikore-Verlag: Hallo Joe,
zunächst möchte ich dir danken, dass du diesem Interview zugestimmt hast, obwohl du momentan mit der Neuauflage von "Lone Wolf" durch Mongoose Publishing so sehr beschäftigt bist. Umso mehr bedanke ich mich für die Zeit, die du dir hier für die Fragen deiner Fans nimmst. Ich habe im Laufe der letzten Monate einige Fragen deiner Fans gesammelt und war etwas bestürzt zu erfahren, dass du krank gewesen sein sollst. Einer deiner Fans fragte, wie du dich nun fühlst nachdem du deine Krankheit und Operation überstanden hast, und ob es dir nun besser geht - wie ich hoffe.
Joe: Glücklicherweise kann ich mitteilen, dass ich mich nach meiner Nierenoperation im Sommer 2005 vollständig erholt habe. Zum Glück geht es mir wieder besser, vielen Dank! Nach meinem schlechten Gesundheitszustand (es wurde bei mir in beiden Nieren Krebs diagnostiziert) habe ich mehrere große Operationen überstanden wodurch genug gesunde Niere gerettet werden konnte, so dass ich nun ein ganz normales Leben weiterführen kann - ohne zur Dialyse zu müssen oder Medikamente zu nehmen. Ich habe durch meinen Arzt mehrere ausgiebige Krebstests erhalten und bin nun endlich krebsfrei. Die Operationen liegen nun drei Jahre zurück, und so sieht es letztlich sehr gut aus. Vor den Operationen gab man mir eine Überlebenschance von 15%, und so kann ich letztlich sagen, dass ich sehr viel Glück hatte und ein sehr glücklicher Mensch bin. M: Joe, du gehörst zu den Pionieren der Rollenspielszene. Da du 1956 geboren bist, bist du schon einige Jahre älter als die meisten deiner Fans. Da du somit zu einer anderen Generation als die meisten deiner Leser gehörst, wäre es interessant zu erfahren, welche Dinge dich in deiner Kindheit und Jugend beeinflusst haben. Joe: Meine frühesten Erinnerungen, die mit dem Interesse an Fantasy zu tun haben, habe ich, als ich 7 Jahre alt war. Ich war ein großer Fan eines Comics, der "Der Aufstieg und Sturz des Trigan-Imperiums" ("The Rise and Fall of the Trigan Empire") hieß und in einem "Edutainment"-Magazin (eine Mischung aus Unterhaltung und Bildung), das "Schau und lerne" ("Look and learn") hieß, erschien. Ich besorgte mir Armeen von Plastiksoldaten, die so sein sollten wie die, die in den Comics vorkamen. Ich erinnere mich noch daran, dass es römische Soldaten waren, deren Speere ich in Lasergewehre umgebaut hatte. Den ersten richtigen Kontakt mit Fantasy-Büchern hatte ich in der High School. Mein Englischlehrer war ein begeisterter Anhänger Tolkiens und brachte uns "Der kleine Hobbit" und "Der Herr der Ringe" näher. Ich war zu der Zeit vor allem von Tolkiens handgezeichneten Karten Mittelerdes begeistert und verbrachte viel Zeit damit, meine eigene Fantasy-Welt - Magnamund zu zeichnen. Meine frühesten Inspirationen für Einsamer Wolf (Lone Wolf) fand ich in Klassikern der englischen Literatur wie z.B. Beowulf, Ivanhoe und König Artus und die Ritter der Tafelrunde. Während der Teenagerzeit las ich J.R.R. Tolkien, Michael Moorcock und Mervyn Peake. Weiterhin hatte ich ein großes Interesse an Militärgeschichte und der norwegischen Mythologie - Interessenfelder, die ich bis zum heutigen Tag habe. All diese Einflüsse haben zur Schaffung der Einsamer-Wolf-Serie beigesteuert. Schließlich gab es bis dahin noch keine Rollenspiele. M: Wie ich gelesen habe, bist du am allermeisten an Strategiespielen interessiert. Hast du dieses Interesse schon seit deiner Jugend?
Joe:Ja, sowohl herkömmliche Strategiespiele als auch Tabletop-Spiele. Ich spiele auch heute noch regelmäßig Tabletop-Spiele und habe eine riesige Sammlung von inzwischen 3000 Miniaturen angesammelt. Darunter sind auch viele Charaktere und Armeen aus Magnamund. M: Was macht für dich den Reiz bei diesen Spielen aus? Joe: Es ist die Nutzung von Fähigkeiten und guter Urteilskraft statt einfach nur Glück. Das ist es was die meisten dieser Spiele für mich so reizvoll macht. Zudem basieren sie häufig auf echten Ereignissen in der militärischen Geschichte. Damit verknüpfen diese Spiele zwei meiner größten Interessen - Spiele und Militärgeschichte. M: Um beim Thema Strategiespiele zu bleiben: Bevorzugst du Brettspiele wie z. B. die so genannten Konfliktssimulationsspiele (Kosim) oder eher die auf Miniaturen basierenden Spiele wie die so genannten "Tabletops"? Joe:
Ich bevorzuge die Tabletop-Spiele bei denen Miniaturen benutzt werden, obwohl ich auch andere Strategiespiele spiele und diese ebenso schätze. Ich mag allerdings den ästhetischen Aspekt, wenn man mit gut angemalten Miniaturen auf einem schön vorbereiteten Schlachtfeld spielt. Das dürfte nicht überraschen, da das Sammeln und Anmalen von Militärminiaturen eins meiner großen Hobbys ist (manch einer würde es eher Obsession nennen)!
M: Soweit ich weiß, hattest du in den späten 1970er Jahren deinen ersten Kontakt mit Rollenspielen, doch welche Spiele hast du zuvor gespielt? Waren es Strategiespiele oder etwas anderes? Joe: Zum größten Teil hatte ich historische Kriegsspiele gespielt, bevor ich dann D&D (Dungeons & Dragons) entdeckte. Zum Teil befassten sich diese Spiele mit dem Mittelalter (dem Hundertjährigen Krieg und dem englischen Rosenkrieg), aber auch mit dem amerikanischen Bürgerkrieg und den Napoleonischen Kriegen. Gary Gygax und Dave Arneson, die Herausbringer von D&D, waren ebenso wie ich Strategiespieler, und ich benutzte zu dieser Zeit ihre Regeln für mittelalterliche Gefechte (Chainmail) für meine Mittelalter-Schlachten. So kam ich zu D&D - ich war auf Gygax und Arneson schon durch Ihre Strategiespielregeln aufmerksam geworden. M: Und wie war dann dein erster Kontakt mit dem Rollenspiel? Ich vermute doch richtig, dass es D&D war? Joe: Ich hatte schon einige Elemente des Rollenspiels in meine Kriegsspiel-Kampagnen in den frühen 1970er Jahren eingebaut, doch dies waren zumeist eher Heldendarstellungen und Gefechte zwischen Armeeführern. Es gab keine Magie oder Regeln hierfür. Das Erscheinen von D&D war tatsächlich ein Durchbruch. Ich erinnere mich noch an den Schlüsselmoment, als ich es gelesen hatte. Ich wusste sofort, dass dieses Konzept ein großer Erfolg werden würde und große Auswirkungen haben würde - nicht nur auf die Tabletop-Spielgemeinschaft, sondern auf eine ganze Spielergeneration. Für mich war die erste Edition von D&D der Schlüssel, der mir ein Reich unbegrenzter Ideen und Möglichkeiten öffnete. Es war eine aufregende Entdeckung und ich bin sehr glücklich und unglaublich dankbar dafür, dass ich Zeuge des Beginns davon sein durfte, was ein Phänomen im Spielebereich wurde. M: Welche Rollenspiele hast du selbst im Laufe der Zeit gespielt? In einem früheren Interview las ich, es waren CoC (Call of Cthulhu), MERP (Middle Earth Roleplaying-Game) und AD&D (Advanced Dungeons & Dragons) gewesen. Hattest du auch schon Kontakt zu irgendwelchen Fantasy-Spielbüchern? Joe: Ich begann zunächst die Basis-D&D-Regeln in meine mittelalterlichen Kriegsspiel-Kampagnen einzubauen. Ich benutzte hierbei nicht die D&D-Monster, denn ich bevorzugte es seit jeher, meine eigenen Kreaturen zu erschaffen. Von D&D ging ich dann auf AD&D über und zweigte dann zu Call of Cthulhu ab. Ich hatte in meiner Jugend alle Geschichten von H.P. Lovecraft gelesen, und so war es wohl unvermeidbar, dass ich auch in seiner Welt Rollenspiele spielen wollte. Weiterhin spielte ich auch MERP, wenn auch nicht regelmäßig, und ebenso Sturmbringer (das Moorcock Rollenspiel). Einer meiner Freunde - Ian Page, mit dem ich als Co-Autor auch die Silberstern Reihe schrieb - war ein großer Moorcock Fan. Andere Abstecher im Rollenspielbereich waren Runequest und Bushido (ein Samurai-Rollenspiel). In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren gab es auch noch eine Serie von Solo-Rollenspielbüchern von Tunnels & Trolls (Dt.: Schwerter und Dämonen). M: Und was war dein erster Eindruck von diesen Solo-Spielbüchern? Joe: Tunnels & Trolls war mein erster Kontakt zu Spielbüchern. Ich war allerdings nicht sonderlich beeindruckt, hauptsächlich wohl, da der Schreibstil nicht besonders gut war, obwohl die Regeln ganz ok waren und ein gutes Grundkonzept hatten. M: Und was denkst du über die recht einfach gehaltenen Spielbücher wie "Endless Quest", "Which Way" und "Choose Your Own Adventure"? Joe: Da muss ich ehrlich sagen, ich habe nie eines von denen gelesen. M: Wie du schon sagtest, bist du ja ein aktiver Strategiespiele-Spieler. Siehst du dich da eher als Strategiespiel-Spieler oder als Rollenspieler? Joe: Da bin ich genau in der Mitte! Zur einen Hälfte bin ich Rollenspieler, zur anderen Tabletop-Spieler. M: Warum hast du denn Fantasy-Spielbücher und nicht etwa Strategiespiele oder Rollenspiele entwickelt? Hat es damit zu tun, dass die Arbeit an einem Spielbuch mehr mit einem schriftstellerischem Arbeiten zu tun hat und du dich mehr als Autor denn als Spielentwickler siehst? Joe: Ursprünglich wollte ich ja Einsamer Wolf als Rollenspielsystem, ähnlich wie Runequest, entwickeln. Mir gefiel die Idee, eine Art englische Version von D&D zu erschaffen. Doch dann kam ich immer mehr zu der Überzeugung, dass, egal wie gut das Spiel werden würde, es doch nur ein weiteres Rollenspiel wäre. Das brachte mich dazu, darüber nachzudenken, wie ich Einsamer Wolf produzieren könnte, so dass e seine neue Art von Spiel wäre. So kam ich dazu, es als Solo-Abenteuer-Rollenspielkampagne zu entwickeln. Die Fighting-Fantasy-Bücher (Dt.: FantasyAbenteuerSpielbücher) kamen gerade zu dieser Zeit auf den Markt und waren sehr erfolgreich, aber sie waren in ihrem Regelsystem und Schreibstil sehr einfach gehalten, und die Entwicklung eines Charakters über mehrere Abenteuer hinweg war nicht möglich. So entschied ich mich dazu, Einsamer Wolf als eine Spielbuchserie zu entwickeln bei der die einzelnen Bücher miteinander verknüpft waren. Ich zielte damit mehr auf den Buchmarkt als auf den Spielemarkt. Obwohl ich mich immer mehr als Spielentwickler sah, wusste ich durch die positiven Reaktionen der Ideen, die ich für meine Spielgruppe geschrieben hatte, dass ich das Potenzial hatte, ein guter Autor zu werden. Der frühe Erfolg von Einsamer Wolf gab mir dann die Möglichkeit, mir die Zeit zu nehmen, meinen Schreibstil zu vervollkommnen - der Rest ist Geschichte, wie man sagt. M: In welchem Maße hat die Arbeit als Autor dein Leben beeinflusst? Joe: Solange ich mich zurückerinnern kann, habe ich es geliebt zu schreiben. Schreiben war ein wesentlicher Teil meines Schulalltags, da ich regelmäßig die Aufgabe bekam Essays und Projektbeschreibungen abzufassen. Meistens ungefähr dreimal in einer Woche. Im College lagen meine Schwerpunkte auf den Fächern: Englisch, Geschichte, Kunst und Musik. Ich hatte meistens viel Schreibarbeit zu fertigen und dies immer zu einem bestimmten Termin. Das alles war ein gutes Training und schuf die nötige Disziplin für meine spätere Tätigkeit als hauptberuflicher Autor. M: Hattest du dein Berufsleben so geplant oder hat sich das alles völlig anders entwickelt als du dir es vorgestellt hast? Joe: Als ich das College beendet hatte, begann ich in der Musikindustrie zu arbeiten. Ich begann als Musiker und wurde schließlich Tontechniker bei Virgin Records. Zu dieser Zeit hatte ich keine Pläne oder Ambitionen, professioneller Autor zu werden. Erst in den frühen 1980er Jahren entschied ich meinen Beruf in der Musikbranche aufzugeben und in das Spielegeschäft einzusteigen. Nachdem ich von 1982 - 1983 bei dem "White Dwarf"- Magazin gearbeitet hatte, wuchs in mir die Überzeugung, dass Einsamer Wolf eine erfolgsversprechende Idee war. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Welt von Magnamund nur der Hintergrund für meine D&D- und AD&D-Kampagnen gewesen. Ich hatte bereits 1976 damit begonnen, Magnamund zu entwickeln, doch erst 1983 eine große Anzahl an Hintergrundinformationen über die Welt, ihre Geschichte, Charaktere, Glauben und zukünftige Entwicklungen festgelegt. M: Wolltest du denn Autor werden, hast du die Begabung dafür gespürt? Joe: Ich hatte nicht vor, Autor zu werden, obwohl ich schon immer viel Zuspruch durch meine Lehrer und die Mitglieder meiner Spielergruppe bekommen habe. Verschiedene Personen haben mir gesagt, ich hätte einen guten Schreibstil. Ich glaube, daher hatte ich das Zutrauen und die nötige Disziplin dazu, um den Sprung zu machen und hauptberuflicher Autor zu werden, als sich mir schließlich 1983 die Möglichkeit dazu bot. M: Ab welchem Zeitpunkt warst du davon überzeugt, vom Schreiben leben zu können? Wann wusstest du, dass du tatsächlich ein Autor warst? Joe:
Die ersten Anzeichen, die ich dafür bekam, dass ich vom Schreiben gut leben könnte, erhielt ich, als ich von einem großen englischen Verlagshaus (Hutchinson) im Herbst 1983 ein Angebot bekam. Sie haben mir eine Abschlagszahlung angeboten, die einem 5jährigen Jahresgehalt entsprach! Das hat natürlich meine Aufmerksamkeit erregt und überzeugte mich davon, dass der Wechsel von Spielen zu Büchern ein lohnender Karriereschritt war. Der nächste Meilenstein meiner Kariere war eine Woche nachdem Einsamer Wolf 1 und 2 im Juli 1984 veröffentlicht wurden. Von jedem der beiden Bücher wurden mehr als 100000 Exemplare in der ersten Woche nach der Veröffentlichung verkauft, und das alleine in England. Danach wurden die Rechte bis zum August 1984 an 12 ausländische Verlage verkauft. Wie du dir vorstellen kannst, war dies eine aufregende Zeit für mich. Ich spürte erst nach der Beendigung von Einsamer Wolf 5, "Das Buch der Magnakai", dass sich mein Schreibstil wesentlich verbessert hatte und ich zu meinem eigenen Schreibstil gefunden hatte. Nach der Veröffentlichung von Einsamer Wolf 5 begann ich damit, mich als professioneller Autor wahrzunehmen.
M: Hattest du große Zukunftsängste? Joe: Sonderbarerweise nein. Ich hatte mit Einsamer Wolf vom Beginn an ein gutes Gefühl und hatte auch sehr positive Erwartungen für die Zukunft. Ich glaube, das hatte auch damit zu tun, dass ich so viele Jahre mit der Vorbereitung der Welt, in der die Geschichte spielt, verbracht hatte. Viele Spielbücher, die zu dieser Zeit geschrieben wurden, entbehrten solch eines detaillierten Hintergrundes, weil die meisten Autoren diesen erst während des Schreibens entwickelten. Ich brauchte das nicht, und das merkt man, denke ich, auch bei den Büchern der Kai- und Magnakai-Serie (Bücher 1-12). Ich glaube dies nicht nur, weil "Einsamer Wolf" von Anfang an ein großer Erfolg war, sondern auch derzeit eine starke Neubelebung erfährt. M: Wie hast du die Zusammenarbeit mit anderen Autoren und Zeichnern empfunden? Joe: Ich habe das große Glück, über die vielen Jahre mit einigen großartigen Mitarbeitern, wie z.B. Brian Williams, Alberto Dal Lago und Peter Jones (Zeichner) - sowie August Hahn (Autor), zusammenzuarbeiten. Einer meiner guten Freunde, der Autor Bob (R.A.) Salvatore, sagte neulich, dass "zu schreiben einer der einsamsten Berufe der Welt ist." Ich kann seiner Sichtweise auf jedem Fall beipflichten. Aber diese Isolation, die das Schreiben mit sich bringt, wird dadurch ausgeglichen, das man die Möglichkeit erhält, mit solch talentierten Menschen wie Brian, Peter, Alberto und August zu arbeiten. M: Waren dies eher geschäftliche Verbindungen oder haben sich im Laufe der Zeit daraus auch Freundschaften gebildet? Joe: Es ist ganz unvermeidbar, dass sich Freundschaften bilden, wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, mit denen man auf der gleichen "geistigen Wellenlänge" ist. Ich habe viele Jahre mit Brian Williams zusammengearbeitet und wir hatten schon fast eine telepathische Verbindung. Brian war in der Lage, all das zu visualisieren, was ich geschrieben hatte und gab all das in seinen Bildern mit unglaublicher Genauigkeit wieder. Alberto wiederum kam vor einigen Jahren auf einem italienischen Spiele-Con in Lucca auf mich zu. Er zeigte mir dort ein Portfolio seiner Arbeit und es war genau das, was ich mir für die Titelbilder der von Mongoose zu veröffentlichenden Sammlerausgabe gedacht hatte. Er ist ein sehr talentierter junger Künstler, und ich bin davon überzeugt, dass er im Verlauf seiner Kariere noch für große Dinge bestimmt sein wird. Peter Jones wurde mir von meinem Verlag empfohlen und wir haben während der 1990er Jahre gut zusammengearbeitet, während er die Titelbilder der Serie für die Veröffentlichung durch Red Fox Books neu bearbeitete. August gehört zu einer seltenen Mischung von Schreiber und Spieldesigner. Er widmet sich sehr seiner Arbeit und schreibt in einem Stil, der näher an meinem eigenen ist als irgendein anderer zuvor. Wir entschieden uns ganz zwangsläufig für ihn, als Mongoose Publishing und ich uns 2003 für einen Autor für das Einsamer-Wolf-Rollenspiel entschieden. August hat seitdem an verschiedenen Einsamer-Wolf-Projekten, wie z. B. den neuen "Chronicles of Magnamund"-Romanen gearbeitet. Er wird außerdem das Bonus-Abenteuer für den Einsamen-Wolf-Band Nr. 10, "Dungeons of Torgar", beisteuern. Wir stehen so gut wie jeden Tag über E-Mail in Verbindung. M: Hat die Arbeit mit Kollegen wie Gary Chalk und Ian Page deine Arbeit maßgeblich beeinflusst, oder eher nicht? Joe: Ich habe schon Jahre, bevor ich Gary oder Ian getroffen habe, an Einsamer Wolf gearbeitet, es ist daher nur fair zu sagen, dass keiner der beiden meine Arbeit nachhaltig beeinflusst hat. Gary und ich haben schon früher zusammen historische Strategiespiele gespielt, und später haben wir gemeinsam bei Games Workshop gearbeitet (1982-1983). Ich mochte Garys Zeichenstil und hatte ihn daher gefragt, ob er mit mir an der Einsamer-Wolf-Serie arbeiten will, was wir dann auch die ersten acht Bücher der Serie getan haben. Der Hauptteil der Arbeit wurde dabei getrennt voneinander erledigt. Ich habe das Manuskript geschrieben und dazu einen Zeichenauftrag. Während Gary diesen bearbeitete, habe ich das nächste Buch der Serie geschrieben. Ian war ein alter Freund von mir, der schon an meinen regelmäßigen Fantasy-Strategiespiel-Kampagnen in den späten 1970er Jahren teilnahm. Wir beide teilen ein starkes Interesse an den Büchern von Michael Moorcock vor allem "Elric von Melnibone", das Ian´s besonderer Favorit war. Er hatte dann eine erfolgreiche Musikkariere in den frühen 1980er Jahren, wodurch wir zu dieser Zeit oft zusammenarbeiteten. Später habe ich Ian dann dazu überredet, die Silberstern Serie zu schreiben. Ich wusste, dass er hervorragende Arbeit leisten würde, denn er ist nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein sehr guter Autor. M: Hast du auch heute noch Kontakt zu ihnen? Joe: Garys und meine Wege haben sich schon 1986 getrennt. Er ging, um einige seiner eigenen Projekte zu verwirklichen, und arbeitete unter anderem mit dem Schriftsteller Brian Jacques an dessen "Redwall"-Serie. So wie ich es verstanden habe, lebt Gary momentan in Nordfrankreich. Der französische Verlag "Le Grimoire" bot ihm vor ein paar Jahren an, Bilder für ihre neue Auflage des Einsamen Wolfs zu fertigen. Ich hatte mit seiner Arbeit dort aber nichts direkt zu tun und habe seit 1986 keinen Kontakt mehr zu Gary. Am Anfang des Jahres hatte ich allerdings E-Mail-Kontakt zu Ian Page, da sich mein italienischer Verleger dazu entschied, die Silberstern-Reihe in Italien neu zu verlegen. Nach nunmehr zwanzig Jahren war es großartig, mal wieder von ihm zu hören! Er ist immer noch in der Musikbranche tätig und hat regelmäßig Touren mit seiner Band. Ich freue mich auf eine Gelegenheit, ihn nächstes Jahr mal wieder zu sehen. Wir beide leben und arbeiten jedoch leider in verschiedenen Teilen der Welt und sind viel beschäftigt, und so ist es wirklich schwierig für uns beide, ein Treffen zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu ermöglichen. M: Steve Jackson und Ian Livingstone haben mir ihrer berühmten Spielbuchserie "Fighting Fantasy" (Dt.: FantasyAbenteuerSpielbücher) einen hohen Standart gesetzt. Wie ist deine Beziehung zu diesen Autoren und ihrer Serie? Joe: Die Fighting-Fantasy-Serie hat mich sicherlich in meiner Entscheidung beeinflusst, Einsamer Wolf nicht als herkömmliches Rollenspiel, sondern vielmehr als Rollenspiel-Spielbuch-Kampagne zu veröffentlichen. Abgesehen davon hatten die Fighting-Fantasy-Bücher aber keinen Einfluss auf Einsamer Wolf. Tatsächlich hatte ich mich schon früh dazu entschlossen, die Fighting-Fantasy-Bücher nicht zu lesen, da ich nicht wollte, dass die Einsamer-Wolf-Bücher diesen gleichen würden. Ich wollte auf diesem Weg auch verhindern, dass es hieße, ich würde ihre Bücher nur kopieren. Ich arbeitete mit Steve und Ian 1983 zusammen bei Games Workshop. Sie wussten dass ich zu dem Zeitpunkt schon seit Jahren an Einsamer Wolf gearbeitet hatte und förderten mein Interesse an einer Veröffentlichung dieser Arbeit. Allerdings war das Angebot, dass sie mir machten leider so schlecht (eine Gewinnbeteiligung von 1 %), dass ich sofort ablehnte und von nun an in direkter Konkurrenz zu ihnen arbeitete. Das war allerdings die beste Geschäftsentscheidung, die ich jemals getroffen habe. M: Was waren sie für dich: Kollegen, Freunde oder doch eher Konkurrenten? Joe: Es begann als einfaches Arbeitgeber-Angestellen-Verhältnis. Ian hatte mir den Posten bei der White-Dwarf-Redaktion angeboten, kurz nachdem ich den AD&D-Championchip in den USA (1982) gewonnen hatte. Wir kamen die ganze Zeit über, als ich bei Games Wokshop arbeitete, gut miteinander zurecht. Allerdings waren Ian und Steve sehr wetteifernde Menschen, wahrscheinlich mehr als alle anderen, die ich später in meinem Leben kennen gelernt habe. Nun, ich will nicht mehr sagen, als dass unsere Beziehung im Laufe der Zeit abkühlte, nachdem Einsamer Wolf veröffentlicht wurde und es klar wurde, dass sie nun einen ernstzunehmenden Konkurrenten auf dem Spielbuchmarkt besaßen. Später habe ich Steve und Ian getrennt bei zahlreichen Anlässen getroffen, meist bei Spiele-Conventions und anderen Veranstaltungen. Mein letztes Treffen war mit Ian in Singapur. Ich besitze dort eine Spielentwicklungsfirma und verbringe einen großen Teil meiner Arbeitszeit dort. Ian und ich waren beide Redner auf der Asian Games Show im Jahr 2006. Nach zwanzig Jahren hat sich unser Konkurrenzverhalten gemildert, und nun können wir einander wie zwei alte Freunde begegnen. Letztlich haben wir beide einen sehr ähnlichen Werdegang und sind beide schon sehr lange Zeit im Spielevertrieb tätig. M: Was tust du in deiner Freizeit, wenn ich fragen darf? Was sind deine Interessen neben dem Spielen und Schreiben? Als ein Beispiel, wer ist dein Lieblingsautor, was dein Lieblingsfilm und was hältst du persönlich von der Verfilmung des Herrn der Ringe? Joe: Neben dem Spielen, das bei weitem mein größtes Hobby ist, gehe ich gerne zum Tontaubenschießen und schwimmen (was ich fast täglich tue). Mein Lieblingsautor? Ich würde sagen, Hermann Hesse. Dies mag für manche überraschend klingen, da er ja kein Science-Fiction oder Fantasy-Autor ist. Mein Lieblingsfilm ist "The Duellists" ("Die Duellisten"), Ridley Scott´s napoleonisches Drama, das auf dem Buch von Joseph Conrad basiert. Über den Herr-der-Ringe-Film denke ich, dass er absolute brillant ist. Peter Jackson hat die Oscars für drei Filme, die die meisten Menschen für "undrehbar" hielten, wirklich verdient. M: Kommen wir nun zu Fragen zum Einsamen Wolf. Die Einsamer-Wolf-Serie ist ohne Frage dein berühmtestes Werk. Wann hattest du die Idee dazu, und wie bist du dazu gekommen? Joe:
Die Idee zu Magnamund hatte ich schon im Jahr 1976, die Geburt der Kai-Lords war ein Jahr später, im Sommer 1977, nachdem ich D&D für mich entdeckt hatte. Die Kai-Lords waren die erste Charakterklasse, die ich für meine Kampagnen benutzt habe.
M: Gab es bestimmte Inspirationen für den Einsamen Wolf, oder hast du dich absichtlich von anderen Quellen ferngehalten? Woher stammt die Idee für die Kai-Lords? Joe: Meine Ideen kommen aus all der historischen Literatur, die ich in meiner Jugendzeit gelesen habe. Ich denke, es war ein Glück für mich, in England geboren zu sein, gerade in der Zeit. Die englische Kultur und Literatur bietet seit jeher reichhaltige Quellen für Fantasy-Geschichten. Ich glaube, es war ganz natürlich, dass ich dieser großartigen kulturellen Tradition gefolgt bin. Ich glaube, die Kai sind aus der Idee geboren, eine Kriegerkaste zu erschaffen, die nordeuropäische Ritter ähnlich den Tempelrittern mit dem Ehrenkodex des Bushido und den Kampffähigkeiten der Samurai verbindet. Die Idee und das System der Kai-Disziplinen hatte ich, nachdem ich die Geschichte über die Kai, vor allem den Kampf um die Macht zwischen Naar (dem König der Finsternis) und Kai & Ishir (den Hauptgöttern des Guten im Universum von Aon), entwarf. M: Es fällt auf, dass klassische Fantasy-Motive wie z. B. Orks in deinem Werk fehlen. Hast du dich absichtlich von den Fantasy-Elementen Tolkiens abgewandt? Joe: Ich würde nicht bestreiten, dass Tolkien einen deutlichen Einfluss auf meine Arbeit hatte. Zumindest insoweit, dass Mittelerde und auch Magnamund beides typische Fantasy-Welten sind. Aber ich habe mich tatsächlich dazu entschlossen, keine Kreaturen anderer Fantasy-Welten wie z. B. Mittelerde zu entnehmen. Ich wollte immer schon, dass Magnamund so eigenständig wie möglich ist. M: War es vor allem der klassische Kampf Gut gegen Böse, der dich inspirierte oder gab es noch andere Ideen, die dich vorantrieben? Joe: Eine der Grundideen, die ich entwickeln wollte, war, dass ein zu Beginn des Spiels relativ schwacher Charakter wie Einsamer Wolf durch harte Arbeit und den Glauben an eine gute Sache zu wahrer Größe aufsteigen kann. Ich glaube, dieses Grundthema begeisterte eine große Anzahl meiner Leser. Ich war begeistert und erstaunt darüber, wie viele meiner Leser mir Fanpost aus der ganzen Welt geschickt haben und mir darin mitteilten, dass sie meine Bücher gerade deswegen so sehr mögen. Ich denke, es liegt vor allem daran, dass meine Bücher vor allem von Jugendlichen gelesen werden, die sich gerade auf einer Stufe der persönlichen Entwicklung befinden, bei der sie herauszufinden beginnen, wer sie sind und wer sie sein wollen. Die Entwicklung von Einsamer Wolf in den Büchern spiegelt so bis zu einem gewissen Grad ihren eigenen Prozess des Erwachsenwerdens wider. M: Ich bin sehr interessiert an den Ursprüngen der Namen, denen wir in den Büchern begegnen - Personennamen, Orte und auch Monster. Hast du hierfür alte Texte benutzt, wie es Tolkien getan hat, oder hast du sie dir einfach ausgesucht, weil sie gut klangen?
Joe:Manche meiner Charaktere und Ortsnamen in Magnamund - vor allem die in Sommerlund und Durenor wurden stark durch die norwegische Mythologie beeinflusst. Ein Beispiel: das Sommerswerd. Richtig betont hat dies einen sehr nordischen Klang. Andere Ortsnamen, wie z. B. in Gegenden der finsteren Länder, kommen aus der Giak-Sprache, die ich extra hierfür entwickelte. Nachdem ich einige grundlegende Wörter der Sprache festgelegt hatte, ließen sich die Ortsnamen ganz leicht festlegen. Helgedad zum Beispiel - in der Giaksprache heißt "Hel" "Schwarz" und "Gedad" bedeutet "Stadt". Die meisten der Ortsnamen auf Magnamund wurden festgelegt, nachdem ich mir überlegt habe, was für eine Gegend es sein soll. Vassagonien ist z. B. ein Wüstenkönigreich, das sehr arabisch angelegt ist. Daraus folgt, dass auch die dort vorkommenden Namen sehr arabisch klingen sollten, wie z.B. Barrakeesh und Bir Rabalou. Auf der anderen Seite habe ich tatsächlich die meisten der vorkommenden Personennahmen danach gewählt, ob sie gut klingen oder nicht (und dies mache ich heute noch so). M: Gab es irgendwelche Charaktere, die du später wieder entfernt hast? Joe: Nein, nicht dass ich wüsste. Aber es gibt zahlreiche Personen, die nie in den Einsamer-Wolf-Büchern vorkamen, da sie in völlig anderen Gegenden Magnamunds leben und mit der Geschichte der Spielbücher oder der Romane nichts zu tun hatten. M: Hast du ein Lieblingsbuch innerhalb der Serie oder eine bestimmte Szene, auf die du besonders stolz bist? Joe:
Ich habe es sehr genossen den fünften Teil der Serie zu schreiben, da ich dort mit dem Format des Buchs herumexperimentiert habe. Außerdem gefiel mir das Schreiben an Teil 15, - "The Darke Crusade" und Teil 18, - "Dawn of the Dragons". Stolz bin ich vor allem auf die neuen Kampfszenen in der Kai-Abtei, die ich für die Neuauflage des ersten Bands "Flight from the Dark" (Dt.: Flucht aus dem Dunkel), geschrieben habe. Das war eine wirklich emotionale Erfahrung für mich, nach so langer Zeit an den Beginn der Saga zurückzukehren und das Gemetzel an den Kai im Detail zu beschreiben. Das war etwas, das ich schon seit vielen Jahren vorhatte.
M: Wie entwickelte sich die Arbeit an der Saga? Hattest du sie von Anfang an geplant oder hat sie sich während des Schreibens entwickelt? Joe: Ich hatte die ersten 12 Bücher von Anfang an geplant. Die Bücher der Kai-Großmeister-Serie (Buch 13-20) habe ich in der Zeit zwischen Buch 5 und 6 geplant. Die Bücher der New-Order-Serie habe ich schließlich geplant, während ich an Buch 16 und 17 arbeitete. M: Hast du diesen Erfolg der Serie erwartet, oder wurden deine Erwartungen übertroffen? Joe: Ich hatte schon das Gefühl, dass die Serie gut laufen würde, aber ich war verblüfft, wie gut sie sich verkaufte und vor allem, wie schnell die Verkäufe weltweit anwuchsen, nachdem die ersten beiden Bände auf dem Markt waren. Es war ein solcher Erfolg, dass ich mir von dem Punkt an keine Sorgen mehr über die Fortsetzung der Serie machen musste. M: In Deutschland hingegen wurden nur 12 der Bücher veröffentlicht. Kennst du die Gründe hierfür? War denn der Markt in Deutschland soviel schlechter als in England? Joe: Während der 1980er Jahre waren die Verkäufe in Deutschland sehr gut. Soweit ich weiß, gab es beim deutschen Verlag einen Besitzerwechsel in den frühen 1990er Jahren, und das hatte große Auswirkungen auf die strategische Zielsetzung des Verlags. Das neue Management verband die Einsamer-Wolf-Bücher mit dem Programm der alten Verlagsführung und wollte anscheinend vieles ändern und neu beginnen. Das geschieht häufig, wenn ein Wechsel im Management stattfindet. Vom geschäftlichen Standpunkt aus denke ich jedoch, sie entschieden falsch. Einsamer Wolf verkaufte sich weiterhin sehr stark in anderen europäischen Ländern und den USA, und ich glaube, sie haben einen finanziellen Verlust gehabt, als sie die Veröffentlichung der Serie bei Band 12 abbrachen. M: Können die Leser denn auf die Rückkehr des Einsamen Wolfs nach Deutschland hoffen?
Joe:Ja! Die deutsprachigen Rechte der neuen Sammleredition von Einsamer Wolf wurden erst kürzlich vom Mantikore-Verlag aus Frankfurt am Main erworben. Im Moment werden Buch 1, "Flight from the Dark" (Dt.: Flucht aus dem Dunkel), und Band 2, "Fire on the water" (Dt.: Feuer über den Wassern), übersetzt. Ich denke, die Veröffentlichung des ersten Bands wird im Frühjahr 2009 sein. M: Warst du auch noch mit anderen Ideen und Projekten innerhalb der letzten Jahre beschäftigt, oder war Einsamer Wolf der Schwerpunkt deiner künstlerischen Arbeit? Joe: Ich war seit 1996 als leitender Designer mit der Entwicklung vieler Computerspiele beschäftigt. Neben vielen anderen Projekten habe ich bei der Entwicklung von "In cold Blood", "Ground Control 2" und "Killzone" mitgewirkt. M: Wie kam es eigentlich zu der Neuauflage durch Mongoose Publishing? Joe: Im November 2002 erhielt Mongoose von mir die Rechte, um ein Rollenspiel zu entwickeln, das auf Einsamer Wolf basiert. Die meisten Leute des Mongoose Managements hatten schon in ihrer Jugendzeit Einsamer Wolf als Hobby, und nun hatten sie dieses Vorhaben, ein Einsamer-Wolf-Rollenspiel zu entwickeln, das auf dem D20-System basiert. Nach einigen Jahren, die wir dann an dem Rollenspiel zusammengearbeitet haben, überlegten sie sich, die Rechte für die Spielbuchserie zu kaufen. Zum gleichen Zeitpunkt fragten sie mich, ob ich nicht die Serie mit den Büchern 29 bis 32 vervollständigen will. M: Mussten sie dich dazu lange überreden? Joe: Es dauerte schon ein paar Jahre, aber das lag mehr daran, dass mein Terminkalender auf drei Jahre hinaus ausgebucht war. Sie hatten viel Geduld mit mir, und nun kann man sagen, dass sich ihre Geduld ausgezahlt hat. M: Worum wird es in Bänden 29 bis 32 der Einsamer-Wolf-Bücher gehen, kannst du uns da schon ein wenig erzählen? Joe: Du kannst dir vorstellen, dass ich das in letzter Zeit dauernd gefragt werde. Ich möchte wirklich nicht die Spannung verderben, und so muss ich etwas vorsichtig sein. Was ich dir sagen kann, ist, dass Band 29 "The Storms of Chai" (Der Ansturm der Chai) heißen wird. Die Geschichte wird im Jahre MS5102, also 18 Jahre nach den Ereignissen in Band 28, wieder aufgegriffen. Die letzten vier Bücher werden vom Zeitraum dann eng zusammenliegen und ihr finales Ende in Buch 32 finden. Ich habe für den letzten Band 500 Abschnitte eingeplant. Es gab bereits viele Spekulationen auf Lone-Wolf-Fanseiten im Internet, wie die Geschichte enden wird und welche Charaktere in den letzten Abenteuern vorkommen werden. Ein paar Fans lagen mit ihren Vermutungen schon ganz richtig aber nie mehr als zu 25 %. Niemand hat bisher zu 100 % erraten, was ich für sie bereithalte. M: Wird es diesmal ein definitives Ende mit Band 32 geben (z. B. mit dem Tod von Einsamer Wolf)? Und was wird danach? Einsamer Wolf hat eine starke Fangemeinde; hast du schon darüber nachgedacht, andere Projekte zu beginnen? Joe: Ich habe mir vorgenommen, ein unerwartetes und hoffentlich sehr befriedigendes Ende der Serie zu schreiben, aber das mündet nicht zwangsläufig im Tod von Einsamer Wolf selbst. Es wird sicherlich noch Möglichkeiten geben, nach Magnamund zurückzukehren, aber für die nähere Zukunft habe ich das nicht geplant. M: Wird es denn in Zukunft, abgesehen von dem Rollenspiel und den Mongoose Romanen, noch andere Projekte für Magnamund geben? Joe: Es wird bereits an einem Tabletop-System für Einsamer Wolf gearbeitet. Hierfür wird es auch eine große Bandbreite von Miniaturen geben. Dies ist allerdings ein großes Projekt, das sehr lange Vorbereitungszeit benötigt, und so ist es unwahrscheinlich, dass es vor 2010 auf den Markt kommen wird. Weiterhin wird es ein Nintendo-DS-Projekt geben. Ich denke, ihr könnt am besten mal bei Google oder YouTube suchen, da wurden schon Beiträge und Demos zu diesem Thema gepostet. M: Und was wurde aus der Idee zu einem Einsamer-Wolf-Film? Joe: Die Filmrechte für Einsamer Wolf wurden schon dreimal vergeben, aber die Projekte wurden nie verwirklicht. Es gibt eine Firma in Hongkong, die mit mir über die Filmrechte für einen Animationsfilm verhandelt. Falls das Geschäft klappt, haben wir alle gute Chancen, Einsamer Wolf irgendwann ab 2010 als animierten Film und als TV-Serie zu sehen. M: Wären auch Trading Karten für dich eine Option für ein neues Projekt? Joe: Schon, aber wie immer hängt alles davon ab, wie viel Zeit ich für ein Projekt erübrigen kann. Für die nächsten 12 Monate bin ich arbeitsmäßig vollständig ausgelastet. Es gibt so viele neue Projekte, und immer wieder kommen neue Firmen mit neuen Ideen für Einsamer Wolf auf mich zu. M: Du hattest schon früher verschiedene Projekte. Neben Einsamer Wolf hattest du schon früh auch an anderen Werken gearbeitet (Silberstern, Combat Heroes, Freeway Warrior). War das Arbeiten aus Überzeugung, oder wolltest du nur einmal versuchen andere Wege zu gehen? Joe: Ich war absolut überzeugt von der finanziellen Attraktivität aller drei Projekte, bevor ich sie begann, und meine Verleger ebenso. Das war aber nur der rationale Grund, sie zu beginnen. Sie mussten mich auch künstlerisch überzeugen. Würden sie mir helfen, mich als Schreiber und Spielentwickler weiterzuentwickeln? Ich fühlte, dass sie das würden, und letztendlich habe ich mich deswegen dazu entschlossen, sie zu schreiben und zu produzieren. M:
Was war der Ursprung von Silberstern?
Joe: Silberstern war Ian Pages eigener Rollenspiel-Charakter in meinen frühen D&D-Kampagnen. M: Waren von Anfang an nur vier Bücher für diese Serie geplant? Wenn ja, warum? Joe: Ja wir hatten vier Abenteuer geplant. Diese umfassten eine gut abgerundete Geschichte und waren damit sehr erfolgreich. Wir haben uns trotzdem nicht dazu entschlossen die Serie fortzuführen, hauptsächlich lag das an Ians Verpflichtungen, die er anderweitig hatte. M: War es mehr ein Test als ein wirkliches Projekt aus Überzeugung? Joe: Nein, es war durchaus ein Projekt aus Überzeugung und kein Test. Silberstern war im Zuge der Rollenspielkampagnen der späten 1970er Jahre als Rollenspiel-Charakter sehr gut von Ian ausgearbeitet worden, und ebenso der gesamte Südliche Teil Magnamunds, der sich sehr vom nördlichen Kontinent unterscheidet. Dies alles ergab die Möglichkeit, die Shianti und die Mondsteine mit in die Geschichten einzubeziehen, zwei wesentliche Elemente der Geschichte von Magnamund. M: Wird es eine Fortsetzung der Silberstern-Serie geben? Joe: Das ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Ich kann sagen dass in den vier abschließenden Büchern der Einsamer-Wolf-Serie manche der Hauptpersonen und Orte aus der Silberstern-Serie vorkommen werden. M: Wie kam es dazu, die Combat-Heroes-Bücher nur mit Bildern und ohne Text zu gestalten? Wie kamst du zu dieser Idee? Joe: Man muss dabei bedenken, dass Combat Heroes 1987 veröffentlicht wurde, zu einer Zeit, zu der es noch keine Shooter-Spiele auf PC oder Konsole gab. Somit ist Combat Heroes so etwas wie "Doom" in Buchform. Die Tatsache, dass es dieses Buch schon 5 Jahre vor Doom gab, zeigt, das dieses Konzept seiner Zeit weit voraus war. M: Wurden deine Erwartungen damit erfüllt? Joe: Ja, sogar sehr. Es hat mich sehr erfreut, Jahre später zu lesen, dass Combat Heroes einen großen Einfluss auf die späteren PC-Spiele hatte. M: Wie stehst du zu Science Fiction, und warum gab es außer Freeway Warrior nie andere Projekte wie dieses? Joe: Ich mag Science Fiction, und vom schriftstellerischen Standpunkt aus, habe ich nichts dagegen. Ich hatte nie andere Projekte wie Freeway Warrior begonnen, weil mir dazu einfach die Zeit fehlte. Die Arbeit an Einsamer Wolf füllt mich komplett aus. M: Die Zukunft: Was denkst du, sind Rollenspiele ein Generationsphänomen? Joe: Ich glaube fest daran, dass Rollenspiele auch in Zukunft Bestand haben werden, denn sie ermöglichen es uns, die Tür zu unserer grenzenlosen Fantasie zu öffnen, und Fantasie war es letztendlich, die uns Menschen auf diesem kleinen Planeten Erde an die Spitze der Nahrungskette gebracht hat. Und so sage ich: "Spielt weiter Rollenspiele! Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab!" M: Denkst du denn, dass Rollenspiele und Spielbücher noch so populär sind wie vor 10 oder 20 Jahren? Joe: Wenn man hierzu die Zahlen zugrunde legt, wie viele Menschen aktiv und regelmäßig Rollenspiele spielen, würde ich sagen - ja! Die Definition jedoch, was Rollenspiele sind, hat sich mit den Jahren sehr vergrößert. Nun sind es längst nicht mehr nur solche Spiele wie D&D und Bücher wie Einsamer Wolf. Rollenspiele beinhalten nun auch MMORPGs (Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele) wie World of Warcraft und Sammelkartenspiele wie Magic. M: Und wie ist deine Meinung zum Status von Fantasy im 21. Jahrhundert im Vergleich zum Boom der 1980er Jahre? Joe: Ich würde sagen, der Boom ist abgeflacht, aber hat sich stabilisiert und etabliert. Nun ist es nach den explosiv wachsenden Jahren der 1980er Jahre ein wohlbekanntes Genre. Ich fühle mich tatsächlich privilegiert, ein Teil dieser Boom-Periode - dem "Goldenen Zeitalter des Rollenspiels", wie es oft genannt wird - zu sein und noch immer an dessen Fortbestehen und Weiterentwicklung im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends teilzuhaben. M: Wie steht es aktuell mit Rollenspielen in England und dem Rest der Welt? Joe: Vor dem Rollenspielboom der 1980er Jahre war Fantasy ein sehr kleiner Nischenmarkt in England und dem Rest der Welt. Jetzt hat es sich etabliert und gehört zu den Mainstream-Genres der Unterhaltungsbranche. Wir haben in den letzten 30 Jahren einen langen Weg zurückgelegt, und ich sehe den kommenden 30 Jahren mit großem Enthusiasmus entgegen. M: Sind denn nicht alle Ideen schon ausgeschöpft? Joe: Auf keinen Fall! Immer wenn du denkst, dass es alles schon einmal gab und keine neuen Ideen möglich sind, geschieht etwas, das dir zeigt, dass du damit völlig falsch liegst. M: Sind denn nicht PC-Spiele eine große Konkurrenz? Joe: Sie sind auch nur ein neuer Aspekt von dem, was letztlich zum selben Genre gehört. M: Planst du neue Projekte? Joe: Ich arbeite schon seit einigen Jahren an einer neuen Spielbuchserie. Für diese Serie plane ich 12 Bücher. Dieses Projekt befindet sich aber noch in der Entwicklungsphase, die bei mir durchaus 6 Jahre dauern kann. Ich denke nicht, dass dieses Projekt vor 2010 zur Veröffentlichung bereit sein wird, aber wenn es soweit ist, wird es eine sehr detaillierte Hintergrundgeschichte, ausgearbeitete Charaktere und eine neue Welt besitzen. Es ist eine Fantasy-Serie aber wird nicht in Magnamund spielen und auch nichts mit seinen Charakteren zu tun haben. M: Gibt es denn noch etwas, was du dir für die Zukunft wünschst? Joe: Gesundheit, Reichtum und Freude für alle! Das ist viel verlangt, ich weiß, aber vielleicht braucht man dazu nicht mehr als etwas Vorstellungskraft. M: Joe, ich bedanke mich für dieses Interview! |